Reproduktion der Ausgabe von 1789. Aus den Briefen der Madame d' Orléans Charlotte Elisabeth, Herzog Philipp I. von Orléans Witwe, welchen noch ein Versuch über die Masque de Fer beigefügt ist .
Nach ihrer Heirat mit dem Bruder Ludwigs XIV. avancierte Liselotte von der Pfalz (1652-1722) als „Elisabeth Charlotte von Orléans“ zu den eindrucksvollsten Persönlichkeiten ihrer Zeit. Briefe der Liselotte von der Pfalz wurden zum ersten Mal 1789 in Originalsprache veröffentlicht. Allerdings handelt es sich dabei nicht um die getreue Drucklegung einer vollständigen Briefsammlung, sondern um die vorliegenden ‚Anekdoten‘, Auszüge aus Briefen, die die Herzogin von Orleáns an Wilhelmine Charlotte von Ansbach und angeblich auch an den Herzog Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel geschickt hat.
Letzterer war vermutlich der Auftraggeber der Exzerpte und erkannte als erster deutlich, worin der Wert der ‚Palatinischen‘ Briefe liegt: in der geradezu naturalistischen Porträtierung des Hofes und des ‚Hinterhofes‘ Ludwigs XIV. und des Regenten. Darüber hinaus war die Sammlung von ‚Anekdoten‘ eine im 18. Jahrhundert ebenso übliche wie beliebte Form der Historiographie, insbesondere der Sitten- und Kulturgeschichte. Zudem kommt den Anekdoten das Verdienst zu, das Interesse an der Korrespondenz der Liselotte überhaupt erst geweckt zu haben. Schiller nahm weite Teile der Anekdoten in seine Allgemeine Sammlung Historischer Memoires auf und trug damit nicht unwesentlich zu deren Publizität bei.1671 heiratet Liselotte von der Pfalz Herzog Philipp von Orleans, den homosexuellen Bruder von König Ludwig XIV. Ihre Eindrücke am französischen Hof hielt sie in zahlreichen Briefen fest.